LYS 12x – Weißt Du, was die Tugend ist?
27.06.14-2, 150. Jahr
Ach, weißt Du, was die Tugend ist?
Erinnerst, dass Du Ritter bist?
Hast auch vergessen Ehre Dein
Und kannst niemals mehr Ritter sein!
Oh, sieh die Frau mit rotem Haar
Die einstmals wohl ein Ritter war
Der scheint’s nicht mehr ist das gemach
Was sie als Schwur zum Ritter sprach
Oh, sie die Frau, die Rüstung trägt
Doch deren Herz vielmehr bewegt
Wie man hofiert sie allezeit –
Wer braucht schon Demut? Ehrbarkeit?
Oh, sieh die Frau – man meint von Stand
Mit ‚nem Galan an jeder Hand
Die Schande bringt in Ritters Kreis
Wovon selbst einfach’s Volk wohl weiß!
Ach, weißt Du, was die Tugend ist?
Erinnerst, dass Du Ritter bist?
Hast auch vergessen Ehre Dein
Und kannst niemals mehr Ritter sein!
Zu Ritters Tuigend Glaube zählt
Doch den Verrat hat sie gewählt
Schlich sich an and’re Orte fort
Und läuft dann dort auch wieder fort
Einjeder mann, einjede Frau
Die ist von Stand, weiß ganz genau
Dass Treue, Liebe, Edelmut
Sind Ritters Tugend und sind gut
Und dass Verrat zu jederzeit
Geahndet wird in Welt und Zeit
Doch stärkster Richter in Dir wohnt
Und Dich niemals zu lind entlohnt!
Ach, weißt Du, was die Tugend ist?
Erinnerst, dass Du Ritter bist?
Hast auch vergessen Ehre Dein
Und kannst niemals mehr Ritter sein!
Der Spiegel morgens offenbart
Was Du getan, und welcher Art
Du hast gericht’ Dich selbst, entweiht
Und alle Folgen bringt die Zeit
Die Schande, die Du hast gebracht
Dem Ritterstand und seiner Pracht
Wird nie vergeb’, vergessen sein
Verfolgt Dich tief durch Seel’ und Bein
Und das, was weltlich noch geschieht
Ist alles, was man in Dir sieht
Nun warte, was die Zeit Dir bringt
Und welch’ ein Lied man Dir noch singt!
Du weißt nicht, was die Tugend’ sind
Hast uns gezeigt verzogen’s Kind
Nun lebe mit der Schande Dein
Wirst niemals mehr ein Ritter sein! |